Auf der Suche nach der AniBand

Ich denke, irgendwann kommt jeder an diesen Punkt. Man macht Musik, man entwickelt sich auch weiter, aber man macht alleine Musik. Wie bei jeder Sucht reicht die Dosis aber nicht mehr, man will mehr 😉 Man will seine Begeisterung für Musik mit Gleichgesinnten teilen, sich zusammen weiter entwickeln, ausprobieren und die gesammelten kreativen Ergüsse zu einem Song werden sehen.
Kurz: Man will in eine Band oder zumindest Mitmusiker finden. Für mich als Sängerin würde am Anfang auch ein Gitarrist oder Pianist reichen.

Dieser Punkt war bei mir eigentlich schon letztes Jahr erreicht, da durfte ich eine Zeit lang mit einem sehr talentierten Gitarristen arbeiten, der aber dann für sich beschloss, alleine weiter zu machen. Mein Sängerin-Ego war geknickt, der Band Wunsch erstmal vom Tisch (Siehe auch mein Artikel ‚Das empfindliche Musiker-Ego‚ aus dieser Zeit).
Jetzt hat es mich wieder gepackt. Ich bin etwas besser geworden und was viel wichtiger ist: Meine Einstellung ist jetzt die richtige. Wenn was nicht klappt, nehme ich das nicht persönlich. Geschmäcker sind verschieden und es gibt da draußen sicher Leute, die mich gern hören mögen, deswegen sollte ich die Meinung der anderen akzeptieren aber mir nicht so zu Herzen nehmen, dass es mich aus der Bahn wirft. Konstruktive Kritik wird immer gern angenommen, der Rest wird als das behandelt, was es ist: Reine Geschmacksfrage! 🙂

Die Suche: Sich auf den Markt begeben
Jetzt bin ich also auf Musikersuche. Ich bin nicht festgelegt, ob Band oder erstmal ein Instrumentalist. Ich habe mich für ein einzelnes Medium als Such-Instrument entschieden und eine entsprechende Anzeige im Bandnet aufgegeben, die wie meistens, wenn ich etwas schreibe, viel Text und viele Informationen beinhaltet. Vielleicht zu viel Text und zu viele Informationen, denn gelesen wurde das ganz sicher nicht voll allen 😉 Trotzdem – oder vielleicht auch deswegen, man weiss es nicht so genau – bekam ich schnell einige Antworten auf die Annonce und reger Email-Verkahr begann. Noch heute (18.8.2011 und ich wette dieses WordPress schreibt wieder das falsche Datum hin, nämlich das, an dem ich den Artikel begonnen hatte… *grml*) treffen alle paar Tage noch weitere elektronische Briefschläge dazu ein. Auch, wenn ich selbst die Anzeigen der Rubrik ‚Vocals gesucht‘ lese, ist das schon mal angenehm wenig Arbeit für den Austausch, der dadurch bis jetzt entstanden ist *g*.

Der Email-Kontakt: Grundinformationen einholen
In der Regel tausche ich mit den mutigen Anzeigen-Antwortern erstmal ein paar weitere Emails aus, in denen ich versuche, grundlegende Sachen zu klären, sofern ich sie der Antwort nicht entnehmen konnte. Und manchmal ist es wirklich anstrengend, an alle Infos zu kommen – einige lassen sie sich echt genüsslich aus der Nase ziehen 😉 Manche schreiben einem gleich auch in der erste Mail themenfremde Romane. So hab ich zum Beispiel einen umfangreichen Text eines Drummers über sein teures Rock-Drumset und die kurze Leidensgeschichte eines eingewanderten WillGern-Azubis, der zu spät dran war, lesen dürfen. Unterhaltsam, aber meinem Anliegen nicht wirklich dienlich 😉
So, zu den wichtigen einzubringenden Eckdaten gehört vor allem das Alter (ja, ich weiss, das ist fürs Musik machen nicht wichtig, trotzdem weiss ich gern mit wem ich es zu tun habe), der Wohn- bzw. Arbeits- bzw. Probeort (halt da, wo dieser Mensch am ehesten unterwegs ist) und die Vorstellungen, was man mit der angestrebten Zusammenarbeit erreichen will. Mittlerweile habe ich gelernt, dass geografische Umstände einen eigentlich vielversprechend anmutenden Kontakt schnell wieder fade erscheinen lassen. Ganz ehrlich: Ich hätte auch keine Lust, immer über eine Stunde zum Proberaum zu fahren! Daher sollte man schon uuuungeeeefäääähr aus derselben Ecke kommen oder eben sich an einem mittig gelegenen Ort treffen können.
Auch in der ersten Antwort Mail (sofern ich nicht da schon das Gefühl habe, dass am anderen Ende der Internetleitung jemand sitzt, mit dem ich echt nichts zu tun haben geschweige denn Musik machen will) schicke ich in der Regel ein kurzes Snippet zum Stimme hören mit. Mein ‚Standard Snippet‘ ist momentan nen kurzer Auszug aus einer Piano Version  von Use Somebody, jedoch habe ich da das Bedürfnis dringend was neues zum rausschicken aufzunehmen. Es kommt zwar bei den meistens ganz gut an, aber mir selber fallen immer mehr Unschönheiten daran auf, hrhr.

Treffen – Live und in Farbe: Jedes Mal ist wie das erste Mal
Wenn die vorangegangene Konversation ergeben hat, dass man auf die nächste Stufe der Leiter dieses gegenseitigen Bewerbungsverfahrens (was es ja nun de facto irgendwie ist) steigt, kommt es zu einem Treffen von Angesicht zu Angesicht. Ich mein, man hat da vor, einen grösseren Teil seiner Freizeit miteinander zu verbringen und im Idealfall kreativ und kontruktiv (und natürlich mit Spaß :)) zusammen zu arbeiten, da sollte man sich nicht nur riechen können, sondern es muss einfach menschlich passen. Wenn ich jemanden vor mir habe, der mich schon bei einem kurzen Kennenlerntreffen auf der Symphatie-Ebene so gar nicht anspricht, dann kann ich doch keine Musik mit diesem Jemand machen?! Meine Traum-Mitmusiker sind eher Leute, mit denen ich auch mal gerne einfach so ein Bier trinken würde, welche, die meinen Musikgeschmack in groben Zügen teilen und vielleicht mit auf Konzerte kommen, zu denen ich niemanden anderen meiner Freunde und Bekannten bewegt bekomme.

Jedes erste Treffen ist anders. Mit einigen bin ich nur was trinken oder essen gegangen und es wurde sich auf ganz un-musikalischer Ebene kennengelernt. Was dann anfang ein bisschen den Charme eines Blind Date versprüht wird dann aber irgendwann auch immer zu einer Art fachlichen Bewerbungsgespräch. Wie lange machst du schon Musik? Hast du Unterricht? Die ganzen Standardfragen gehören nun mal geklärt. Nicht nur von meiner Seite aus, schliesslich will mein Gegenüber auch wissen, was es sich da eventuell ins (Musik) Haus holt! 😉 Bei anderen wurde sich direkt beim Kennenlern-Treff im Proberaum getroffen und gleich auf allen Ebenen auf den Zahn gefühlt. Ich kann nicht sagen, dass ich das eine oder andere besser finde – es sind alles interessante Erfahrungen gewesen.

Mittlerweile habe ich ein paar Treffen hinter mir. Da mir erstaunliche viele einzelne suchende Gitarristen geantwortet haben, sind auch auf meiner nicht existierenden Treffen-Strichliste in dieser Sparte die meisten Einträge. Die ersten Treffen, GOTT war ich aufgeregt! Und das teilweise, obwohl es nur darum ging, ganz locker ne Cola trinken zu gehen und bisschen zu sabbeln.
Bisher habe ich mich mit nur zweien wirklich zu einer Test-Probe getroffen. Numero Uno war ein – wie soll es anders sein – einzelner Gitarrist. Menschlich passte es ganz gut, fand ich eigentlich, auch wenn derjenige keinen Alkohol zu sich nimmt und deswegen schon als pozentieller ‚Lass mal nen Bier trinken gehen‘ Sparingspartner raus ist 😉 Die Probe fand nach einem vorangegangen Cola-Treffen in meinem Raum statt, es gab kein abgesprochenes Programm, keinen Ablauf, an dem ich mich festhalten konnte. Wir wollten ein bisschen impovisieren. Eieieie…Improvisieren….Er hatte also den relativ leichten Teil, hübsche Melodien auf seiner Gitarre zu spielen (das konnte er auch ganz gut und hatte die ein oder andere davon in der Hinterhand) und ich musste in derselben Zeit versuchen, meine Nervosität in den Griff zu kriegen, den inneren Schweinehund zu überwinden und den Mund aufzumachen und kreativ zu sein und mir eine passende Gesangsmelodie mit ein paar Textbrocken einfallen zu lassen. Ich glaube, ich hatte einen schweren Start, hrhr (Also JETZT grinse ich drüber, hätte das irgendjemand in der Situation gemacht, hätte er wahrscheinlich nichts mehr, was er beim Grinsen präsentieren könnte ;)). Der Gitarrero war glücklicherweise sehr verständisvoll und geduldig, so dass ich mich nicht wie eine totale Loserin fühlte 😉 Am Ende kamen dann auch noch ein, zwei ganz gute Ideen dabei heraus und der 6-Saiter bzw. der dazugehörige Mensch wollte sich das nochmal in Ruhe anhören und mir dann Bescheid geben. Ich war schon immer für ehrliche und direkte Worte und tat mein Interesse kund, sagte aber auch dass er sich ruhig noch andere anhören und sich Zeit bei der Entscheidung lassen sollte. Als die Zeit, die er sich nahm, die 2-Wochen-Grenze überschritt, wusste ich schon Bescheid und irgendwann kam dann auch die Absage (Sein Gefühl sagt ihm, dass es nicht passt). Hmm. Na ja, besser jetzt als später 🙂 Tada, Ego noch in Ordnung, alles super.
Die zweite Probe war mit einem Drummer und einer Bassistin in deren Proberaum. Zwei wirklich liebe Menschen, bei denen ich vom menschlichen her nicht die geringsten Bedenken habe, dass es gepasst hätte und die es geschafft haben, eine äußerst angenehme entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der ich mich weit mehr getraut habe, als sonst (falls ihr das zufällig lest: Danke nochmal! :)). Vorher war es immer so, dass ich mich zum Singen, zum ersten Ansetzen eines Tons vor komplett fremden aber musikversierten Leuten regelrecht ein bisschen überwinden musste (Siehe dazu auch mein Artikel ‚Vom sich trauen vor anderen zu singen‘). Hier war es dann so, dass ich zuerst was aus meinem alten Projekt mit dem Gitarristen vor nem guten Jahr gezeigt habe und der Drummer daraufhin aufgrund fehlenden Gitarristen (überall sind sie, aber HIER hat einer gefehlt!) diesem Part übernahm und zu einem alten Song einfach ein paar Akkorde gespielt hat. Klang anders, ja, aber interessant anders. Dann kam der Moment, vor dem ich so viel Bammel hatte… MOMENT! Hatte ich wirklich so viel Bammel? Nein, irgendwie nicht! Ich stand am Mikro, die Lautstärke sollte eingeregelt werden und nach ein paar zaghaften ‚Test, test, hallo, hallo, ich sabbel ins Mikro‘ kam die Ansage ‚Sing mal was in deiner Lautstärke‘. Sing mal was. Wie ich diesen Satz hasse. Mein Kopf machte so unegfähr ‚Äh,äh, singen, shit, Angst, oder auch nicht, weiss nicht, was nur singen, fuck, mit mikrofon, damit singe ich doch sonst nie, alles neu, argh, hilfe, kein Titel parat, aaaaaah‘ und dann passierte etwas mir fremdes: Während des Wirrwarrs war vielleicht eine Sekunde vergangen und mein Kopf entschied sich plötzlich in einer weiteren für den Kaltstart. Im Jukebox Verfahren wurde aus allen Titeln, von denen ich einigermaßen text- und tonsicher einen Vers mit Refrain singen konnte, blitzschnell einer ausgewählt und dann wurde ohne Rumgedruckse, ohne Umweg über den inneren Schweinehund oder sonstige Verzögerungsmechanismen der Gesangsapparat gezielt angeworfen. Und zu meiner Überraschung zog der mit. Plötzlich stand ich da und sang kräftig den Anfang von Alanis Morisette Ironic in das Mikrofon. Und ich war laut. Lauter als sonst allemal. Das war echt crazy. Als wenn ich mich irgendwie selbst ausgetrickst hätte, aber im guten Sinne. Wir bastelten dann noch etwas an dem Song, war auch schön, den mal wieder zu singen und am Ende gabs ne Art Feedbackgespräch. Sie haben mir ehrlich und kontruktiv, ein zwei Punkte gesagt, auf die ich seitdem auch mehr achte. Die Hauptkritik war versemmelte Töne. Ich sag mal: Hmmm…. Eigentlich bin ich recht intonationssicher. Dass mal was daneben geht, ist normal, und wenn dann Nervosität, neue Jam-Situation und fremdes Singen mit Mikro dazu kommen: Was soll’s! Vielleicht hab ich in meiner ‚ich war gar nicht so doll aufgeregt wie sonst und hab richtig losgesungen, yeah‘ Euphorie ja auch wirklich einige Schnitzer überhört, mag wohl auch gut möglich sein 😉 Ein Schlüsselerlebnis, wenn man so will, war aber das positive Feedback, das ich bekam: Ich habe Kraft in der Stimme. Say what!? Sagt das nochmal! Haha! Das, was ich immer selber an mir bemängelt habe, wurde mir hier zugute gehalten. Nice.

Und weil dieser Eintrag jetzt schon wieder viel, ich meine VIIIIEEEEEL länger geworden ist, als er werden sollte, beende ich ihn hier nun auch. Ich bin sehr gespannt, was mir auf meiner Musikersuche noch begegnen wird und natürlich werde ich hier darüber berichten 😉

2 Gedanken zu „Auf der Suche nach der AniBand

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