Within Temptation: Neues Album ‚The Unforgiving‘ – Achtung, Roman! ;)

Ich stehe eigentlich schon seit Jahren auf die niederländische ‚Mainstream-Metal mit female Vocals Formation‘ Within Temptation. Frontfrau Sharon den Adel ist für mich gesangstechnisch auf jeden Fall ein Vorbild.

Das letzte Studio-Album ‚The Heart of Everything‘ ist mittlerweile vier Jahre her. Für zwischendurch sozusagen gab es 2009 einen Live Mitschnitt ihrer kreativen Acoustic-Theater-Tour, bei denen das Sextett ihre Songs in Zusammenarbeit mit einem großen Orchester Ensemble neu inszenierte und auch aufwändige visuelle Projektionen einsetze. Der daraus entstanden Silberling ‚An Acoustic Night At The Theatre‘ hat mich komplett umgehauen. Vorher fand ich Within Temptation toll, ab da fand ich sie grandios 😉

Also habe ich, wie wahrscheinlich viele andere, das neue Album mit großer Vorfreude erwartet. Die Band versteht es, seinen Fans hier und da ein paar Leckerchen zuzuwerden, um das kommende noch schmackhafter zu machen, denn bereits lange vor dem Termin fürs Album konnte man in einen Song reinhören: ‚Where Is The Edge‘, der perfekt für seinen Zweck ausgewählt war. Man erkannte Within Temptation drin, doch da war noch eine Prise eines neuen,rockigeren und fast hier und da poppigeren Sounds, vor allem in den Versen. Er machte neugierig auf mehr. Dieser Song war dann auch in der kurz vor dem Album am 11.3.2011 erschienenen Single-Auskopplung ‚Faster‘ enthalten. Und da wurde man direkt nochmal überrascht. Dieser Song klang sogar noch mehr nach Rock. Hatte sich Within Temptation von dem früher noch recht deutlich von Symphonic-Metal-Elementen geprägten Sound entfernt? Der Song bringt sogar einen Touch aus den 80er Jahren mit. Aber, und das ist das wichtigste: Er ist klasse! Super Titel, bei dem die Füsse nicht anders können als mitzuwippen. Sharon kommt stimmlich mit neuer Power um die Ecke, die ebenfalls zu begeistern weiss. Auch, wenn der neue, weniger metalmäßige und rockigere Sound für langjährige Fans wahrscheinlich recht gewöhnungsbedürftig sein wird, ich wusste sofort: Yeah!

Nun steht seit gestern, dem 25.11.2011, endlich das neue Album ‚The Unforgiving‘ in den Regalen. Was ist das für ein merkwürdiges Cover? Das hat doch nichts mehr mit Within Temptation zu tun?! Stimmt und stimmt nicht. Das Album ist ein Konzept-Album und basiert auf einem Comic. Wer mehr über diesen wissen will, wir auf der Band-Homepage hier fündig. Ein Prequel ist bereits frei einzusehen, die weiteren Teile der Comic-Serie werden nach und nach über die Homepage erhältlich sein.
Doch zurück zu der Musik: Nach einem kurzen gesprochenen Intro bekommt man den Opener ‚Shot in the dark‘ auf die Ohren. Hier findet sich bereits der erwähnte weniger-symphonic-metal-mehr-rock-80er-Sound wieder. Nichtsdestrotrotz sind die Niederländer immernoch in ihren Songs auffindbar, ein Drahtseilakt, der sicherlich nicht leicht war. Vor allem der Refrain gefällt mir gut. Schön nach vorne, guter Start ins Album. Der zweite Song, ‚In the middle of the night‘ beginnt direkt dramatischer und temporeicher, schönes Gitarren-Riff. Der neue Sound ist auch hier rauszuhören und scheint über die ganze Platte durchgezogen zu werden. Tolle Rocknummer. Der nächste Titel ist das bereits erwähnte ‚Faster‘. Nach diesem erwartet ein der erste ruhigere Track. Dieser schön mit Geigen untermalte Song erinnert wieder sehr stark an die vorherigen Within Temptation Werke. Ich mag Titel, die sich langsam zum Ende aufbauen, leise beginnen und lauter und dramatischer werden, und das ist so einer. Eine meiner Lieblingsnummern!
Wer hier ins Träume geraten ist, wird mit ‚Iron‘ mit einem bodenständigen Rock-Titel geweckt. Darauf erfolgt ebenfalls vorhin genannte ‚Where is the edge‘. Und jetzt kommt ein weiterer meiner Favoriten: Sinéad (der Name der Protagonistin in dem zugehörigen Comic). Der Titel ist der meiner Meinung nach am 80es-Pop-mässigste. Song 8 – mein all over Album Lieblingssong! – beginnt wieder langsam, diesmal mit einer gezupften Gitarre.  Es ist auch einer dieser Songs, die sich aufbauen und zum Ende druckvoller werden. Besonders positiv fällt mir der grandiose Gesang von Sharon auf. Von hauchig luftig bis Power kann sie in diesem Titel gut zeigen, was sie kann. Und dann dieser Text: ‚Help me, I’m buried alive!‘. Meine Gänsehaut ist von der ersten bis zur letzten Minute ungebrochen. Weiter hinten gibts noch ein Gitarrensolo, fantastisch! Doch irgendwann ist auch der Song zuende und was dann folgt, ist ‚Murder‘. Den kann ich mir sofort klasse in Filmen als Hintergrundmusik vorstellen. Irgendeine spannende, dramatische Szene in Alias –  die Agentin oder so. Gefällt mir auch gut, insgesamt aber einer der schwächeren Titel. Doch bei der Messlatte, die die anderen Titel vorgegeben haben… 😉 Wir sind bei den letzten drei Titeln der Platte angekommen und wenn du tatsächlich immernoch liest: Respekt! ‚A demon’s fate‘ ist für mich der am wenigsten mitreindste Track. Er ist immernoch gut, ich würde ihn nicht ausmachen, er besteht nur den Vergleich zu den anderen nicht. Schnellere Nummer, aber irgendwie fehlt mir etwas. Der Abschlusstitel wurde ‚Stairway to the skies‘ getauft. Der wurde schön platziert, klingt etwas wie die Untermalung zu einem gewonnen Finale oder ähnlichem, was ja auch gewollt ist 😉 Der mid-tempo Song ist ein schöner Abschluss.
Auf meiner Version kommt allerdings nun noch ein Song, ‚The last dance‘, der ganz gut ist, aber jetzt auch kein Highlight für mich darstellt. Auf keiner der in Internet zu finden Tracklisten ist er enthalten. Auch nicht auf der ebenfalls erhältlich Premium Edition.

Fazit ist: Diese Scheibe wird Within Temptation wahrscheinlich einige Fans kosten, aber auch neue dazu gewinnen. Richtig interessant wird es eigentlich erst beim nächsten Album, da sich dort zeigt, ob sie zu ihren Symphonic-Klängen zurückkehren und dieses jetzt ein mutiges Experiment war, oder ob die neue Scheibe uns den Sound zeigt, der ab nun die Band definieren soll. Man weiss es nicht 😉 Ich kann nur sagen, dass ich begeistert bin! Natürlich ist in einigen Songs kaum noch etwas von den ‚alten‘ Within Temptation Merkmalen zu finden, doch warum soll man sich nicht weiter entwickeln und ausprobieren? Dass das nicht immer allen gefallen kann, damit muss man sich abfinden. Mir gefällt und ich kann allen nur zumindest zum reinhören raten. Klasse Scheibe!

Ich werde mir auf jeden Fall Karten für ihre Tour besorgen, die auch am 19. und 20. November (ja, an zwei Abenden!) in Hamburg Station macht. Die Karten für Samstag sind bereits ausverkauft, aber Sonntag tuts ja auch 😉

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