Das empfindliche Musiker-Ego

Wenn man sich dafür entscheidet, auf irgendeine Art und Weise musikalisch tätig zu sein und sich gar der Erschaffung eigener Song-Kreationen, die einem fortan wie kleine Teile seinerselbst vorkommen, zu widmen, passiert etwas ganz erstaunliches: Man bekommt ein neues Ego dazu. Je mehr Energie, Zeit und Herzblut man in die Musik steckt, desto mehr wächst dieses Ego, aber umso empfindlicher wird es auch. Dieses Ego beeinflusst auch ganz maßgeblich die eigene Leistung, das musste ich jetzt schmerzhaft feststellen.

Während der letzten Monate habe in Zusammenarbeit mit einem unwahrscheinlich talentierten Gitarristen eine wunderschöne Ballade und einen etwas rockigeren Song entwickelt. Zu den Songs hatte ich auch Instrumentalversionen, die ich mit in den Gesangsunterricht genommen habe. Die Begeisterung meiner Gesangslehrerin an den eigenen Songs bestätigte mich darin, dass nicht nur ich unter ganz subjektivem Licht die Ergebnisse unserer Arbeit spitze fand. Es ist ein wirklich unbeschreibliches Gefühl, wenn jemand anders einen Song vor sich hin summt, den man selber geschrieben hat 😉

Alles lief also gefühlt gut, bis zu dem Tag, als mein Gitarristen-Partner mir eröffnete, dass er nicht mehr mit mir zusammen arbeiten wolle. Ich habe unlängst befürchtet, dass dieser Tag kommen wird, da besagter Musiker mir meilenweit voraus war. Trotzdem warf es mich aus meinem kleinen Paradies. Es läge nicht an mir, er wolle mehr Zeit für seine musikalische Weiterentwicklung haben. Es hört sich nicht nur an, als wenn mit einem Schluss gemacht wird, es fühlt sich tatsächlich auch irgendwie sehr danach an.
Die nächste Gesangsstunde war das reine Grausen. Mein kleines musikalisches Ego, das noch schluchzend am Boden lag, war nicht da, um meine Gesangsversuche zu unterstützen. Ich fühlte mich Monate nach hinten geworfen, zweifelte plötzlich an meinen gesamten musikalischen Bemühungen. Das Geld für die Gesangsstunden erschien mir plötzlich wie rausgeworfenes Geld. Meine Lehrerin roch den Braten bereits und versuchte mir zu vermitteln, dass sowas im Amateur-Musiker-Bereich ganz oft passiert, aber es war schon zu spät. Mein beschämtes Musik-Ego verkroch sich ganz tief, zog sich die Decke über den Kopf und schrie laut, es müsse nachdenken.

Das tat ich dann auch wirklich. Seit 3 Wochen war ich nicht mehr beim Unterricht. Weder Gesang, noch Klavier. Ich wollte mir darüber klar werden, ob und wie ich weiter machen wollte. Eine gute Freundin sagte, na ja schrieb mir nach Schilderung der Situation: „Wenn du die Musik wirklich liebst, wirst du eh keine andere Wahl haben und weiter machen. Dann ziehts dich ganz automatisch wieder da hin.“ Und sie sollte Recht behalten!

So ein Musik-Ego ist extrem empfindlich. Rückschläge, gerade die ersten einer Laufbahn, werden gar nicht gut verkraftet. Man sollte auf keinen Fall überreagieren. Ich spielte tatsächlich schon mit dem Gedanken, mein vor kurzem erworbenes Rode NT1A zu verkaufen und das Keyboard gleich dazu, doch das hat mein Musiker-Herz dann auch nicht zugelassen. Im Gegenteil zieht es mich im Momentan fast täglich an die Tasten und die Fortschritte sind in der Tat beachtlich. Es entstehen mittlerweile kleine eigene Melodien.

Während sich einige fragen, warum ich hier solche so unfachlichen Zeilen schreibe, wächst mein Musik-Ego wieder. An alle, die sich mal ähnlich fühlen: Das geht vorbei! Gebt dem Musiker in euch ein wenig Zeit, die Sache zu verdauen, aber dann wird es gestärkt weiter gehen! 🙂

6 Gedanken zu „Das empfindliche Musiker-Ego

  1. „Während sich einige fragen, warum ich hier solche so unfachlichen Zeilen schreibe“ – zitat

    warum schreibst du so unfachliche zeilen ?
    es sei mal dahin gestellt was fach und was unfachlich ist.
    das liegt im auge des betrachters.

    zum eigentlichen thema:
    jeder mensch hat irgendwann einmal einen punkt erreicht, an dem er ins stocken gerät.
    in deinem fall hier war es nun ein bereich in der musik.
    aber kein grund zur sorge. in meinen augen ist sowas nur ein augenblick der „pause“. die ganze zeit bewegt man sich zielstrebig um ein gewisses ziel zu erreichen, und irgendwann ist auch mal die energie alle.
    so ungewöhnlich das klingen mag, aber ich vergleich das stets mit einer sanduhr.
    irgendwann ist der sand durchgelaufen, doch anstatt aufzuhören wendet man die seiten(glas) und das spiel beginnt von vorn.

    ich finde es sehr traurig das sich so viele menschen der musik verschreiben, aber leider rückschlägen nicht genug durchhaltevermögen an den tag bringen.

    solche ego rückschläge.. demotivation / lustlosigkeit oder wie auch immer du das nennen möchtest … werden noch öfters über dich herfallen.
    so kurrios das klingen mag.. aber genau diese ereignisse bringen dir stets neuen schub .. um dich hier und da weiter zu entwickeln.
    dies funktioniert natürlich nur.. wenn du auch den nötigen biss mitbringst.
    wenn ich mir so diese seite anschaue, dann könnte man diese „bissfestigkeit“ bei dir schon vermuten.

    aus diesem grund kann ich dir nur empfehlen, aus diesen abschnitten neue kräfte zu ziehen, das sandglas umzudrehen, und mit frischem wind in den segeln an deiner musikalischen laufbahn festzuhalten.
    Also mach auf jedenfall weiter !!!

    ZITAT
    „Ich habe unlängst befürchtet, dass dieser Tag kommen wird, da besagter Musiker mir meilenweit voraus war. Trotzdem warf es mich aus meinem kleinen Paradies. Es läge nicht an mir, er wolle mehr Zeit für seine musikalische Weiterentwicklung haben. Es hört sich nicht nur an, als wenn mit einem Schluss gemacht wird, es fühlt sich tatsächlich auch irgendwie sehr danach an.“
    —-
    das ist das erste mal das ich eine person so etwas schreiben sehe.
    wobei das schon nach einer schlechten beziehung ausschaut und der kerl sich einfach abseilt, nachdem er seinen „hunger“ gestillt hat.
    ich hoffe für dich, dass dies wirklich nur auf musikalischer ebene passiert ist.
    bin mir aber fast schon sicher, das du genug interessante menschen finden wirst, mit denen du üben und deine leidenschaft teilen kannst.

    verneYg
    Cho Pin

  2. Danke dir für deine Zeilen! Das fällt auf jeden Fall in die Kategorie ‚längster Kommentar ever‘! 😉
    Das ist übrigens wirklich nur auf musikalischer Ebene passiert. Aber es hat mich ganz schön aus der Bahn geworfen, in die ich jetzt mühsam wieder reingeklettert bin. Und du hast recht, es ist neuer Schwung da, die Sanduhr umgedreht und jetzt gehts weiter *g*

    Lg,
    Ani

  3. es ist nur eine frage der zeit bis ein weiterer kommentar meinen gestrigen ablösen wird.

    durch einen rechtschreibfehler bin ich auf dieser seite gelandet.
    bei „dr. google“ lautete meine eingabe -> keyboard ani
    und als erster link wurde diese hier angezeigt.

    und als ich den ego-beitrag gelesen hatte, kamen bei mir ein paar erinnerungen aus meinen jüngeren tagen zum vorschein.
    kurz gesagt, ich habe mich widererkannt.
    wobei ich ehrlich sagen muss, das ich kein angenehmer schüler war.
    mit allen mittel wollte ich unbedingt ein instrument spielen. doch war ich in einigen dingen zu hastig unterwegs, wodurch meine musikalischen fähigkeiten gelitten haben.
    das brachte mir harsche kritiken ein, worauf ich meist sehr bockig wurde.
    es hat eine ganze zeit gedauert bis ich auf diese kritiken eingelassen habe.
    diese kritiken waren das äquivalent zu deinem gitarristen.
    sie waren meine „stopper“…
    doch wenn man wirklich etwas erreichen will, dann lernt man auch diese hürden zu meistern.
    ich sag immer „a new day, a new way“..
    wenn es einmal nicht weiter geht, aus welchen gründen auch immer, dann geht es eben ‚morgen‘ weiter.
    ständig begegnet mir die situation, dass sich meine mitmenschen für musik interessieren.
    soweit so gut. doch kaum haben sie angefangen sich für eine sache zu begeistern, kommt der erste frust durch misserfolge.
    und schon wird das interesse an der musik vermindert bzw es schwindet ganz und gar gen null.
    sowas find ich sehr sehr schade.
    umso mehr erfreut es mich, wenn man deine letzten 3 zeilen deines ersten beitrages liest.
    das nenn ich eine willkommene abwechslung.

    verneYg
    Cho Pin

    ps.: dieser beitrag ist aber kürzer! …oder?!?

  4. Pingback: Marie Karsten

  5. Musikalische und kreative Partnerschaften gleichen in der Tat sehr persönlichen Liebesbeziehungen. Daher sind solche Brüche auch schwer zu ertragen.

    Vor allem aber darf man musikalische Differenzen nicht auf das eigene Ego oder das Können abwälzen. Oft genug reicht für einen Bruch aus, dass es sich um zwei unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichem Geschmack handelt.

  6. Pingback: Auf der Suche nach der AniBand

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