6.10.11: City And Colour überzeugen in Hamburg

Irgendwie häufen sich zum Ende des Jahres 2011 die guten Konzerte und so steigt auch meine Konzertbesuchsrate 😉 Letzte Woche Donnerstag, am 6.10.2011, besuchte City And Colour die schönste Stadt im Norden – natürlich wieder im Docks.

Lange kenne ich diese Band noch gar nicht. Ein Vorteil, wenn man auf Mitmusikersuche ist: Man lernt viele neue Bands kennen. In den ersten Mails findet immer ein Austausch a la ‚ich mag die und die Musik und stehe auf die und die Band‘ statt. Ein Gitarrist nannte in diesem Zuge die kanadische Formation City And Colour. Angehört, toll gefunden. Kurz darauf erfuhr ich, dass sie noch dieses Jahr in Hamburg sein würden und gleich stand fest, dass ich da hin muss. Das Konzert ist zwar schon ausverkauft gewesen, doch ebay hat meistens noch Karten 😉

Wie zu allen Konzerten in letzter Zeit traf ich erst ein, als die Vorband schon spielte. VorBAND wäre hier vielleicht zu viel gesagt, es war eher ein VorMANN. Ein Mann mit seiner Gitarre und seiner Stimme, Daniel Romano sein Name. Leider hat man von ihm nicht all zu viel hören können, denn die Gespräche des Publikums haben ihn und sein Instrument locker übertönt. Das, was ich hörte, war seeeeehr ruhig. Ich meine, die Hauptband ist auch eher für ihre ruhigeren Sachen bekannt, aber das war eher einschlaf-ruhig 😉

Der Umbau dauerte wieder ne halbe Stunde circa, bis dann endlich die Band, weswegen das Docks gerammelt voll war, auf die Bühne kam. Und im Gegensatz zu den Konzerten, die ich in letzter Zeit besucht habe, stürmten sie nicht auf die Bühne, es kam kein Intro, Einmarschmusik oder sonstwas, die Musiker gingen einfach an ihren Platz, nahmen ihre Instrumente in die Hand und Dallas Green begrüsste kurz die Fans – „Hi, we’re City And Colour from Canada“ – und dann wurde die Show mit ‚We Found Each Other In The Dark‘ eröffnet.

Diese Stimme, oooh die Stimme 😉 Live noch tausend mal cooler als von CD! Faszinierend war auch die Stimmung, die sofort den Raum füllte. Das Publikum war von der ersten Minuten an dabei. Keine Aufwärmphase nötig. Zugegeben, die ruhige Musik ist jetzt auch nicht mit z.B. Edguy Metal vergleichbar, trotzdem war es irgendwie als gehörten die Band und das Publikum einfach zueinander.

Ich habe selten einen so entspannten und symphatischen Auftritt gesehen. Immer wieder gewürzt mit einer Prise natürlich Humors (nicht dieses aufgesetzte Zeug, das überall billig verschachert wird) – „Well, this is a moment where I shouldn’t have a mic in front of me between the songs“ 😉 Ganz wunderbar fand ich auch die ‚Kameras aus‘ Aktion, bei der der Frontmann darum bat, nur für einen Song alle Foto- und Filmgeräte einfach mal wegzustecken, damit man sich hinterher daran erinnern könne, zusammen da gewesen und diesen Song gehört zu haben. Er machte noch eindrucksvoll vor, wie man sonst die ganze Zeit bemüht war, die Kamera richtig zu positionieren hrhr. Es war auch die erste Band seit langem, die mich dazu bewegte, bei einem dieser Mitsingspiele (zu ‚What makes a man‘, toller Song!) mitzumachen, die sonst meist eher gezwungen rüber kommen. Clemens wird sich gut daran erinnern, denn Dallas pickte sich ihn ziemlich mittig aus dem Publikum vor der Bühne und erklärte dann erst was alle rechts und links von Clemens singen sollten bevor er Clemens mitteilte, er sei ja die Mitte und könne frei wählen, wozu er gehören will – links oder rechts – und beides ginge für ihn auch.
Souverän auch, als genau der Mitsing-Song sofort abgebrochen wurde, als einem Mädchen im dichten Publikumspulk anscheinend nicht gut ging. Sie hatte wohl Probleme, sich auf den Beinen zu halten, ich konnte es von meinem Platz aus nicht sehen. Der Sänger erkundigte sich nach dem Befinden des Mädchens und animierte die nahestehenden Gäste, ihr zu helfen.

Natürlich kann das geschriebene Wort nicht annähernd wiedergeben, welche schöne Atmosphäre City und Colour die ganze Show über verbreiteten. Manchmal fühlte man sich fast wie im Wohnzimmer von Freunden, die ein paar Songs zum Besten geben (na gut, ich kenne kein Wohnzimmer, wo so um bessere Sichtplätze gedrängelt wird, aber so generell passts ;)).

Die Show selbst war recht minimalistisch, ein paar Lichteffekte hier und da, das wars. Dallas Green bestritt geschätzt ein Drittel des Auftritts ohne seine Bandkollegen, nur mit seiner Gitarre und dieser unfassbaren Stimme. Ich lerne Songs kennen und schätzen, die ich noch nicht kannte, wie z.B. What Makes A Man oder Body In A Box, und hörte natürlich auch meine Favourites vom aktuellen Album Little Hell
wie etwa den titelgebenden Song oder The Grand Optimist. Leider wurde O Sister nicht gespielt, das ist das einzige Mini-Manko, was ich anbringen kann.

Nach etwa drei Händen voll Songs war das Konzert zuende und die Zuschauer wurden mit einem warmen Abschied in die kalten Strassen des Hamburger Kiezes entlassen. Ich habe lediglich eine Setlist von dem Vortageskonzert in Berlin gefunden, meine aber die Songs müssten hinkommen: Setlist

Fest steht: City And Colour Konzerte sind ab jetzt Pflichttermine, denn Sie haben sich souverän in meinen Must See Plan gespielt 🙂

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